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Interview mit Jeannette



Zum internationalen Frauentag, welcher jeweils am 8. März stattfindet, haben wir unsere Top-Fahrerin, Jeannette, zu einem Interview getroffen! Jeannette ist 61 Jahre alt, hat ein eigenes Limousine/ Taxiunternehmen und fährt zusätzlich sowohl für Vertt, als auch für UBER. Eine inspirierende Geschichte von einer Frau, die in einer männerdominierten Brache dank ihrer Passion zum Beruf sehr erfolgreich unterwegs ist.


Jeannette, wie bist du Taxi-Fahrerin geworden?

Im Jahr 2003 gründete ich eine Karosserie- / mechanische Werkstatt mit meinem Ex-Mann und habe dadurch meine Liebe zu Autos entdeckt. Da ich gerne Auto fahre und gastfreundlich bin, erschien mir der Taxiberuf eine ideale Entwicklungsmöglichkeit. So ist es dazu gekommen, dass ich im Jahr 2017 die Taxiprüfung gemacht- und im Jahr 2019 mein eigenes Limousine- / Taxiunternehmen gegründet habe.

Jetzt bist du bereits vier Jahre selbständig. Dann war da noch Covid, die Taxibranche leidet. Bereust du deinen Schritt in die Selbständigkeit?

Nein, im Gegenteil. Das Geschäft läuft gut. Im Vergleich zu anderen Taxiunternehmen fahre ich zu tieferen Preisen. Bei mir bezahlen alle Fahrgäste Vertt-, respektive UBER-Preise. So bin ich sehr gut ausgelastet und habe auch viele längere Fahrten. Als selbständige Unternehmerin habe ich zudem mehr Flexibilität und Freizeit.

Wieso hast Du Dich entschieden, die Preise deutlich tiefer als Deine Arbeitskollegen anzusetzen?

Ich finde dies einfach fair den Fahrgästen gegenüber. Nicht alle können sich Taxifahrten zu den hohen Preisen leisten. Zudem habe ich während meiner Arbeitszeit lieber viele Aufträge zu einem tieferen Preis und zufriedene Kunden als wenige Aufträge zu sehr hohen Preisen. Mein Erfolgsrezept ist die gute Auslastung dank den konkurrenzfähigen Preisen. So verdiene ich mehr, als ich vorher am Empfang oder als rechte Hand des letzten Arbeitgebers verdient habe.

Nebst deinen eigenen Aufträgen fährst du noch für Vertt und UBER. Findest du die Bedingungen fair?

Ja, definitiv. Man muss hier die gesamte Rechnung machen. Ich muss nur die App einschalten und kann losfahren. Um Marketing oder Kundenservice muss ich mich nicht kümmern. Deshalb finde ich es fair.

Wieso bist du so erfolgreich in dem, was du machst?

Weil ich in erster Linie mich selbst bin. Dies gilt für jeden Job, denn wenn man keine Passion dafür hat, ist man im falschen Beruf. Ich mache es den Menschen um mich herum gerne angenehm, dies führt auch oft zu interessanten Gesprächen und Wertschätzung.

In Bezug auf den Frauentag: Du arbeitest in einer männerdominierten Branche. Was sind Deine Erfahrungen als Taxifahrerin?

Ich habe noch nie negative Erfahrungen gemacht. Vielleicht wäre es auch anders, wenn ich 20 Jahre alt wäre und eine Modelfigur hätte [lacht], ich weiss es nicht. Bei mir sind 90% der Fahrgäste sehr respektvoll und ich habe auch keine Angst.

Und wie sieht es mit Vorurteilen gegenüber Frauen am Steuer aus?

Das ist kein Problem, im Gegenteil. Ich erhalte viele positive Rückmeldungen, gerade von Frauen. Die schätzen es sehr, mit einer Frau fahren zu können. Zudem glaube ich, dass sich Menschen gegenüber einer Frau schneller öffnen. Für viele Fahrgäste bin ich nicht nur Fahrerin, sondern zugleich auch Psychologin und Seelsorgerin.

Was denkst Du, wieso gibt es so wenige Taxifahrerinnen?

Vielleicht ist es wirklich so, dass Frauen weniger gerne Auto fahren als Männer. Oder sie haben Angst, was ich verstehen kann, weil man oft auch in der Nacht fährt. Ich würde auch nicht bei einem Taxiunternehmen angestellt sein wollen und in der Nacht fahren müssen. Mit Fahrtvermittlung - Apps zu fahren ist sicherer, denn die Fahrten werden aufgezeichnet und Du kannst Dich von einer Vertrauensperson begleiten lassen und hast einen Notfallknopf. Sicherheit ist ein wichtiges Thema!

Ich würde es jeder Frau empfehlen, die gerne Auto fährt und kommunikativ ist. Auch Teilzeit ist gut möglich, ich arbeite auch nicht 100%.

Was hältst du von Vertt?

Ich freue mich immer, wenn ich eine Fahrt vermittelt erhalte [lacht]. Natürlich sind dies noch nicht so viele Fahrten wie bei UBER, das ist klar. Zudem gibt es bei Vertt noch einiges an Verbesserungspotenzial. Beispielsweise die Anzeige des Nettofahrpreises bei einer Anfrage oder zusätzliche Massnahmen beim Thema Sicherheit.

Zum Schluss: Was möchtest du den Frauen allgemein anlässlich des Frauentags mit auf den Weg geben?

Als Taxifahrerin habe ich Kontakt zu Frauen in jeglichen Lebenssituationen und aus allen Schichten. Allgemein würde ich mir wünschen, dass die Frauen mehr Selbstwertgefühl haben. Meine Botschaft an alle Frauen ist: “Verkauft Euch nicht unter eurem Wert, seid stark, mutig und lasst euch nicht ausnützen. Ihr seid wertvoll !! ”.



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